Frauen sollen schweigen (1Kor 14,33b-35)

Da ich vor kurzem schon etwas zur Gleichberechtigung von Mann und Frau geschrieben habe, hier mal ein paar Gedanken zu 1Kor 14,33b-35 (oder 34-35):

Paulus schreibt: Wie in allen Gemeinden der Heiligen  34 sollen die Frauen schweigen in der Gemeindeversammlung; denn es ist ihnen nicht gestattet zu reden, sondern sie sollen sich unterordnen, wie auch das Gesetz sagt.  35 Wollen sie aber etwas lernen, so sollen sie daheim ihre Männer fragen. Es steht der Frau schlecht an, in der Gemeinde zu reden.

Meint Paulus in V. 33b-36, dass die Frauen grundsätzlich und immer im Gottesdienst schweigen sollen?

Leider verstehen das einige so. Aber dagegen spricht erstens der Zusammenhang und zweitens andere Bibelstellen.

Zuerst einige Bibelstellen, die eindeutig davon ausgehen, dass Frauen auch in der Gemeinde „redeten“:

  • 1Kor 11,5: Frauen die laut beten und prophezeihen – Paulus würde sich hier selbst widersprechen.
  • Die vier Töchter des Philippus waren Prophetinnen (Apg 21:9-10).
  • Evodia und Syntyche Phil 4,2-3;
  • Die alten Frauen sollen als „Lehrerinnen des Guten“ die jüngeren unterweisen Tit 2,3.
  • In Röm 16 grüsst Paulus namentlich etwa 8 Frauen und 18 Männer, an erster Stelle aber die Missionarin Priscilla.
  • Phöbe, die Dienerin (Diakonin) von der Versammlung Kenchräa (Röm 16:1).
  • Aquila (ein Mann) und Priscilla legten Apollos den Weg Gottes genauer aus (Apg 18:26).

Wenn andere Bibelstellen eindeutig gegen dieses Verständnis sprechen, dann sollte man sich den Text nochmal im Zusammenhang anschauen…

Zweitens: Der Zusammenhang

Im Zusammenhang geht es um den ordentlichen Ablauf des Gottesdienstes (Zungenrede & Prophetie)! Ohne einen Bruch kommt Paulus zu diesem Abschnitt bzgl. dem Schweigen der Frauen. In 14,31 heißt es: „Ihr könnt alle prophetisch reden, doch einer nach dem andern, damit alle lernen und alle ermahnt werden.” Alle bedeutet alle – Männer und Frauen! Das Problem war nur, dass es ein Durcheinander in Korinth gab. Deshalb fordert Paulus die redenden Frauen auf, sich während der Gemeindeversammlungen ruhig zu verhalten (= schweigen). Sie sollen sich unterordnen, wenn die Männer predigen (was den Männern vorbehalten ist) oder jemand prophetisch redet oder jemand anderes spricht.

„wie auch das Gesetz sagt.“: Paulus meint mit dem Gesetz das AT. Im AT gibt es aber kein generelles Verbot für die Frauen im Gottesdienst zu reden! Paulus meint 1Mos 3,16b.

V.35: Wenn die Frauen etwas nicht verstehen (sie hatten damals weniger Bildung als die Männer), dann sollen sie Zuhause nachfragen und nicht während des Gottesdienstes reden. Ich ärgere mich auch darüber, wenn während meiner Predigt geredet wird…

So. Hoffe, dass sich ganz viele Frauen in ihrer Gemeinde zu Gottes Ehre einsetzen und sich nicht unterkriegen lassen.

11 Gedanken zu „Frauen sollen schweigen (1Kor 14,33b-35)“

  1. Endlich mal ein Blog, der echte informative Artikel veröffentlicht. Leider ist hierzulande die Bloggerei nicht besonders vorhanden, hier hat der Leser aber einen echten Mehrwert. Ich finde auch teilweise die Kommentare sehr interessant. Da sieht man, dass sich jemand echte Mühe gemacht hat.

  2. Wenn in V.31 „alle“ gemeint sind können es doch auch alle Brüder sein?! Der Abschnitt beginnt in V. 26 „was ist nun ihr Brüder?“ und Brüder kann man hier nicht einfach mit „Geschwister“, wie an anderen Stellen durchaus richtig, übersetzen.
    Zu Kap.11,5 –> Ja Frauen sollen beten und Weisagen (ermutigen, ermahnen) ABER aus dem Zusammenhang wird nicht deutlich, ob die gesamte Gemeinde gemeint ist. Wahrscheinlich nicht, denn in V20. „wenn ihr nun zusammenkommt…“ bezieht sich Paulus auf die gemeinsamen Zusammenkünfte, vorher also eher nicht.
    Frauen sollen lehren und beten etc., doch nicht in den Zusammenkünften der Gemeinde. Sie sollen ausdrücklich jüngere Frauen anleiten….

  3. Warum sollte V.26 nur von Brüdern sprechen? Vorher geht es um die Zungenrede & Prophetie, die nicht auf ein Geschlecht begrenzt ist. Nun in V.26 geht es allgemeiner um die Zusammenkünfte, bei denen JEDER etwas beitragen kann – Lobgesänge, Lehre, Prophetie und Zungenrede mit Auslegung. Diese Aufzählung ist außer bzgl. der Lehre nicht auf ein Geschlecht begrenzt!

    Zu 11,5: Du meinst die Frau könne prophetisch reden, aber nicht in der Gemeinde? Das ergibt für mich keinen Sinn. Prophetie gehört in die Gemeinde, damit die anderen dadurch erbaut oder überführt werden…
    1Kor 14,24 spricht eindeutig vom Gottesdienstkontext: Wenn sie aber ALLE prophetisch redeten und es käme ein Ungläubiger oder Unkundiger hinein…

    Ich verstehe es biblisch auch so, dass Frauen nicht in den öffentlichen Zusammenkünften lehren sollen (1Tim 2 etc.). Aber Lobgesänge, Prophetie und Gebet sind etwas anderes!

  4. Nehmen wir einmal an Paulus hatte wirklich die Intention Frauen das Predigen zu verbieten – warum so ein Verbot? Weshalb können Frauen in der Mission in Übersee Gemeinden gründen, vom Glauben zeugen und lehren, aber bei bestimmten Gemeinden nicht predigen?
    Kann mir jemand das einmal logisch erklären warum Frauen anscheinend nicht die Fähigkeit haben können zu predigen?
    In wiefern spielt die damalige Einstellung der Kultur gegenüber dem weiblichen Geschlecht eine Rolle in diesen Texten? (Patriarchenherrschaft etc.)

    1. Die Begründung bei Paulus ist nie kulturell, sondern immer aufgrund der Schöpfungsordnung. Frauen sollen nicht über ihre Männer herrschen, deswegen sollen sie nicht leiten und nicht predigen…
      Frauen können die Fähigkeit haben zu predigen, aber sie sollen laut Paulus dies nicht in der Gesamtgemeinde tun…

      Bis vor ein paar Jahren hat man eigentlich paulinisch gehandelt… Es gibt in der ganzen Kirchengeschichte nur wenige Ausnahmen…

  5. Bedeutet bei dir predigen „herrschen“?

    Hier kommt halt wie bei allem die Frage ins Spiel, welche Art der Bibelinterpretation man vertritt. Wortwörtlich ohne Kontext, mit Kontext oder sogar historisch-kritisch?!
    Nimmt man z.B. die Schöpfungsgeschichten als wissenschaftliche Tatsachenberichte und glaubt die Erde ist 6000 Jahre alt oder versteht man diesen Text aus seiner Herkunft heraus und versucht seine wahre Intention (falls es sie gibt) zu herauszufinden.
    „Liberale“ Bibelauslegung vs. buchstabengläubige/konservative Bibelauslegung.
    Wie immer wird es bis in alle Ewigkeiten Christen geben die das eine vertreten und deren Gegner die das bekämpfen. Zumindest ist ein Vorteil davon dass es nie langweilig wird…

  6. Bei Paulus bedeutet Predigen = Gemeindeleitung = Herrschen. Nur deswegen verbietet er es den Frauen. Das ist der einzige Grund.

    Ja die Auslegungsprinzipien sind entscheidend. Ich vertrete eine Auslegung des Literalsinns: Was wollte der Autor den Lesern sagen? Dies müssen wir herausarbeiten und nach bestimmten Regeln auf uns heute übertragen.

    Paulus war viel näher dran am Schöpfungsbericht als wir heute. Er hat ihn als Argumentation für sein Verbot genutzt! Warum sollten wir in dieser Frage noch über die Interpretation der Schöpfungsgeschichte diskutieren? Oder hat Paulus einen Fehler gemacht?

    1. Wenn damals die Frauen die Sicht in die Gemeinde hineinbrachten, die Frauen stünden über den Männern (es gab ja den Tempel der Diana mit seinem Einfluss), dann ist es nur folgerichtig, wenn Paulus mit der Schöpfungsordnung argumentiert. Der selbe Paulus schreibt an denselben Timotheus: das befiehl treuen Menschen an, die fähig sind, andere zu lehren. Also auch die Frauen!

  7. Es scheint vor allem ein exegetisches Problem zu sein. Paulus hat im 1, Korintherbrief oft schriftliche Fragen der Gemeinde an ihn zitiert. Da es in den Handschriften keine Satzzeichen gibt ist es heute nicht mehr sofort ersichtlich, wann ein solches Zitat vorliegt, sondern erfordert eine eingehende Untersuchung am Grundtext.

    An der besprochenen Stelle lässt sich sogar zeigen, dass Paulus hier das Recht der Frau in der Gemeinde zu lehren gegen Strömungen in der Gemeinde verteidigt:

    http://www.molthagen.de/alte-inhalte/christlicher-glaube/frauen/31-muessen-frauen-schweigen

  8. Leider legst du nicht korrekt aus. Du ziehst Bibelstellen heran, die völlig aus dem Kontext gerissen sind und absolut nichts mit Predigen zu tun haben. Z.B. 1. Kor 11,5 hier steht nix von Gemeinde, sondern nur vom Beten oder Weissagen, Apg. 21,9 auch hier steht nix von Gemeinde. Es wird nur angemerkt, dass Phillipus Töchter hat, die weissagten. Und so geht es mit all den anderen heran gezogenen Versen von dir weiter. Die Frau hat sich ruhig in der Gemeinde zu verhalten, darum geht es.

  9. Auch ohne Theologiestudium wird hier meiner Meinung nach recht klar, dass Paulus‘ Korinther-Brief sich nicht an alle Gemeinden zu seiner Zeit richtet und auch nicht an zukünftige Gemeinden.

    Wir wissen zudem aus unterschiedlichen Quellen, dass Paulus an der Seite von Männern auch Frauen in führenden Positionen in Gemeinden – zumindest – geduldet hat.

    Die einzige logische Schlussfolgerung ist, dass es hier konkret um bestimmte Frauen in Korinth geht. Was für Probleme es mit diesen Frauen gab, ist allerdings nur zu erahnen. Auf die genauen Hintergründe geht der Brief nicht ein, er erklärt sie nicht. Aber warum auch? Diejenigen, an die der Brief gerichtet wurde, kannten den Kontext und wussten die an sie gerichteten Inhalte adäquat einzuordnen.

    Damit möchte ich die im Zweiten Testament enthaltenen Briefe an die Gemeinden nicht entwerten, sondern nur darum werben, tiefer gehender und differenzierter mit ihnen umzugehen. Denn sie enthalten schlichtweg keine einfachen! pauschalen Aussagen.

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