Rezension „Gemeindeglied sein oder nicht sein?“ von Wayne Mack

Titel: Gemeindeglied – sein oder nicht sein?

Der Titel „Gemeindeglied – sein oder nicht sein?“ verrät die Thematik des Buches: Gemeindemitgliedschaft. Der Untertitel „Von der Pflicht und Freude einer verbindlichen Gemeindezugehörigkeit“ verrät die Antwort des Autors zum Thema.

Der Originaltitel des Buches ist: „To be or not to be a church member?, that is the question!“

Autor: Wayne Mack

Wayne Mack

  • kommt aus dem evangelikal-reformierten Lager Amerikas.
  • hat an diversen Hochschulen studiert: Wheaton College (BA); Philadelphia Seminary (MDiv); Westminster Theological Seminary (D.Min).
  • war Pastor in einigen Gemeinden (unter anderem der Gemeinde von John MacArthur in Grace Community Church).
  • hat in diversen Seminaren gelehrt (vor allem „Biblische Seelsorge“).
  • ist der Autor von über 20 Büchern.

Wer noch mehr wissen will, kann sich hier informieren: About Dr. Wayne Mack

Buchtext

Bekennende Christen des einundzwanzigsten Jahrhunderts stellen sich die erstaunlichsten Fragen über die Gemeinde: Soll ich einer Gemeinde beitreten oder nicht? Ist Gemeindemitgliedschaft ein erforderlicher oder freiwilliger Bestandteil für einen Christen? Ist die Gemeindemitgliedschaft die Hauptmöglichkeit im Bezug auf Dienst und geistliches Wachstum oder nur eine von vielen? Ist Gemeindemitgliedschaft wichtig oder unwichtig? Ist es eine Frage des Gehorsams dem Herrn gegenüber oder eine individuelle Frage für einen Christen? 
Dieses Buch zeigt anhand der Bibel Gottes Sichtweise zu diesem Thema. Darüber hinaus vermittelt der Autor wichtige Grundlagen bezüglich der Bedeutung der Gemeinde im Leben eines Gläubigen. Dieses Buch ist daher auch für alle diejenigen sehr hilfreich, für die Gemeindemitgliedschaft gar keine Frage ist!

Inhaltliche Übersicht

Wayne Mack hat hier auf ca. 70 kleinen Seiten ein Plädoyer für die Gemeindemitgliedschaft geschrieben. Nachdem er kurz die „moderne“ und die „historische“ Sichtweisen anreißt, argumentiert Mack aus folgenden 10 Gründen (je Grund ein Kapitel) für die historische Sichtweise:

  1. Die biblischen Verpflichtungen dem Nächsten gegenüber („einenander-Befehle“) erfordern eine Gemeindemitgliedschaft.
  2. Das biblische Konzept von Gemeindegliedern und ihrer Leitung durch Älteste funktioniert nur durch Gemeindemitgliedschaft.
  3. Eine Gemeindemitgliedschaft dient dazu den Unterschied zwischen Gläubigen und Ungläubigen klarzustellen.
  4. Für die geordnete Verwaltung der Gemeinde wird eine Gemeindemitgliedschaft benötigt.
  5. Die Gemeindemitgliedschaft ist eine Möglichkeit des Einzelnen seinen Glauben öffentlich zu machen.
  6. Die Mitgliedschaft in einer Gemeinde ermöglicht den biblischen Verpflichtungen besser nachzukommen und einen Dienst zu übernehmen.
  7. Der regelmäßige Gemeindedienst ist ein Privileg für Menschen, die bereit sind, einer Gemeinde als Mitglied beizutreten.
  8. Durch die Gemeindemitgliedschaft entsteht eine geistliche Rechenschaftspflicht, die für jedes Mitglied gut ist.
  9. Die Mitgliedschaft hilft der Gemeinde Entscheidungen über die Nutzung der Zeit und Ressourcen zu treffen.
  10. Biblische Aussagen, wie z.B. zum Gemeindeausschluss, machen erst dann Sinn, wenn das Konzept der Gemeindemitgliedschaft gelebt wird.

In den Kapiteln eingearbeitet sind u.a. eine Auflistung von Dienstmöglichkeiten in der Gemeinde, ein Aufnahmeverfahren und Fragen zur Aufnahme. Außerdem gibt es nach einigen Kapiteln Fragen zur Diskussion und Anwendung. Am Ende des Buches (S. 73)  heißt es zusammenfassend:

„Gemeindemitgliedschaft ist keine nebensächliche oder optionale Frage für einen Christen. Es ist eher ein wichtiger und wesentlicher Aspekt des christlichen Lebens, Laut Aussagen der Heiligen Schrift bringt diese Mitgliedschaft enorme Privilegien mit sich, aber auch ernsthafte Verantwortung, die in keiner anderen Weise erfüllt werden kann.“

Bewertung: Gesamtnote 2

 1. Buchidee (Note 1)
Das Buch greift meines Erachtens eine Not unserer Zeit auf. Wo wird heute noch verbindliche Gemeindemitgliedschaft mit all seinen Privilegien und der damit verbundenen Verantwortung gelebt? Diese Not wird durch ein kurzes biblisches Plädoyer aufgegriffen!

2. Theologische Qualität (Note 1)
Alle Argumente des Buches werden von der Bibel her abgeleitet und begründet. Manchmal überschneiden sich die Argumente etwas, aber insgesamt ist es eine gute Zusammenstellung von Gründen für die Gemeindemitgliedschaft. Eine breitere Darstellung des biblischen Gemeindekonzepts hängt eng mit dem Thema zusammen und wäre teilweise wünschenswert, doch würde sie den Buchrahmen sprengen.

3. Schreibstil & -qualität (Note 2)
Das Buch ist gut geschrieben: Am Anfang eines Kapitels findet man die Hauptaussage in Kürze formuliert. Dann folgen eine ausführliche biblische Begründung und die praktischen Konsequenzen. Manchmal fügt Mack gute Zitate von anderen Menschen, die sich zu diesem Thema geäußert haben, ein. Nur eine Veranschaulichung hat mir an der einen oder anderen Stelle gefehlt.

4. Layout, Anordnung & Länge des Buches (Note 2)
Das Buch ist gut schön klein und kurz. Es ist schnell gelesen und man findet auf wenigen Seiten gute Argumente. Die Anordnung der Kapitel (keine logische Reihenfolge) sowie die integrierten Listen haben mir nicht so gefallen (besser am Ende des Kapitels oder des Buches). Die Gestaltung des Buches ist recht schlicht und damit etwas langweilig. Schaubilder, Kästchen, Hervorhebungen etc. hätten dem Buch gut getan.

5. Alltagsrelevanz (Note 2)
Die Frage nach der Gemeindemitgliedschaft stellt man sich ja nicht allzuhäufig. Entweder man ist überzeugt davon oder nicht. Leider wird auf die vielfältigen Beweggründe, die Menschen gegen eine Gemeindezugehörigkeit stimmen lässt, nicht eingegangen. Doch dem Autor gelingt es ganz praktisch und biblisch für die Gemeindemitgliedschaft zu argumentieren.

Zusammenfassung

Trotz all meinen kritischen Anmerkungen finde ich das Buch „Gemeindeglied – sein oder nicht sein?“ von Wayne Mack gelungen. Wer sich die Frage nach der Gemeindemitgliedschaft ernsthaft stellt oder jemand anderen dazu bewegen möchte, findet hier ein gelungenes Werk dafür. Für akutell 2,90€ kann man nichts falsch machen. In zehn kurzen Kapiteln werden sowohl biblische Vorrechte als auch Verpflichtungen durch die Gemeindemitgliedschaft aufgezeigt!

Titel: Gemeindeglied – sein oder nicht sein?
Autor: Wayne Mack
Sei­ten zum Lesen: 70
Ein­band: Taschen­buch
Veröffentlichung: 09/2012
Ver­lag: Christlicher Missions-Verlag
ISBN 978-3-932308-93-2
Preis: 2,90

7 Gedanken zu „Rezension „Gemeindeglied sein oder nicht sein?“ von Wayne Mack“

  1. Ich frage mich wie es heute noch möglich ist, dass ein Autor wie Wayne Mack die unverblümtesten und unverschämtesten Irrlehren verbreiten darf?

    1.Die biblischen Verpflichtungen dem Nächsten gegenüber (“einenander-Befehle”) erfordern eine Gemeindemitgliedschaft.

    Siehe Lukas 10,30-37
    Jesus Christus lehrt uns das genaue Gegenteil: Ein Fremder – ein Mann aus Samarien ist Vorbild für die Nächstenliebe. Die Gemeindemitglieder – die Vorsteher der Gemeinde werden von Jesus als gefühlskalte Ignoranten dargestellt.

    2.Das biblische Konzept von Gemeindegliedern und ihrer Leitung durch Älteste funktioniert nur durch Gemeindemitgliedschaft.

    Ebenfalls eine krasse Irrlehre – eine Gemeindemitgliedschaft gibt es in keiner biblischen Gemeinde. Es gibt Glieder der Gemeinde wie es Glieder am Leib gibt. Das Haupt einer jeden christlichen Gemeinde ist Jesus. ER ist es, der die Gemeinde leitet!
    ER ist es, der eine Gemeinde funktionieren lässt!!!
    Eine Gemeinde, die nur durch Mitgliedschaft funktioniert, kann keine christliche Gemeinde sein. Es ist das typische Kennzeichen, dass der HERR nicht da ist.

    3.Eine Gemeindemitgliedschaft dient dazu den Unterschied zwischen Gläubigen und Ungläubigen klarzustellen.

    Zwischen welchen Gläubigen?
    Ganz sicherlich nicht zwischen denen, die an Jesus Christus glauben und die nicht an IHN glauben.
    1.Joh.5,12 Wer den Sohn hat, der hat das Leben; wer den Sohn Gottes nicht hat, der hat das Leben nicht.
    Eine Gemeindemitgliedschaft oder Kirchenmitgliedschaft als Kennzeichen eines Gläubigen zu bezeichnen ist eine sehr weit verbreitete und sehr beliebte Irrlehre – schon seit Jahrtausenden! Durch welche Lehre entstanden die ganzen Religionskriege?

    In den Kapitelüberschriften 4 – 10 setzt sich diese Irrlehre konsequent fort.
    Ich bin gerne bereit auch hierzu biblische Argumente zu liefern.

    Es mag ein menschlich, ehrenrühriger Versuch sein, scheinchristliche Versammlungen durch Mitgliedschaft etwas religiös, verbindlicher „auf zu päppen“, aber ich glaube nicht, dass dies dem HERRN Jesus Christus gefällt und ER schon gar nicht notwendig hat.

    Schon seit Jahrtausenden versuchen Menschen Gott Nachhilfe zu geben in Sachen Gemeindebau mit desaströsen Folgen!

  2. Lieber Viktor,
    jeder, von Jesus Christus Herausgerufener aus der Welt ist ein Glied der Gemeinde – der Braut Christi und deshalb auch etwas Besonderes.

    Fast alle Christen wissen oder haben gehört, dass Gemeinde, Kirche von Eklesia übersetzt die Herausgerufenen abstammt? Und dass der HERR diese Herausgerufenen teilweise schon auf der Erde an verschiedenen Städten, Orten und Häusern sammelt.
    Wie diese Versammlungstätten genannt werden – Tempel, Kirche, Gemeinde, Gotteshaus oder nur Versammlungsraum sehe ich nicht als problematisch solange es nur irdische Versammlungsstätten sind und ihnen heute keine Exklusivität der Anwesenheit Gottes angedichtet wird.
    Problematischer wird es bei Benennung unterschiedlicher Denominationen!
    1.Kor.1,11:..ich gehöre zu Paulus..zu Apllos…zu Kephas…ich zu Christus….
    Heute beliebig fortgesetzt: ich gehöre zu den Methodisten, zu Baptisten, zu Evangelikalen, zu Katholiken, zu Mennoniten und, und, und…..
    Kindisches, fleischliches Denken – wer ist denn für uns gekreuzigt worden?

    Dies sind geschichtlich betrachtet die Vorboten und Vorbedingungen für die Irreführungen des Mitgliedschaftsdenkens.
    Eine Mitgliedschaft ist eine Eigenschaft einer Person und nicht die Person selbst.
    Ein Mitglied ist die Person selbst unabhängig von deren Eigenschaften.
    Ist dies nur Haarspalterei? Beurteile selbst:
    Eigenschaften kann man erwerben, pflegen, vernachlässigen, fördern, wandeln etc.
    Glieder eines Körpers können auch gepflegt, vernachlässigt, gefördert aber nicht erworben werden. Die Verwechslungsgefahr ist riesengroß!
    Ein Heide kann christliche Eigenschaften nachahmen, aber wird er dadurch Christ?
    Die Verführung eines Nichtchristen durch die Möglichkeit der Mitgliedschaft ist so gewaltig, dass es meistens bis zum Tod nicht mehr erkennbar ist ob er Christ ist oder nicht. Im Gegenteil, gerade diese Menschen sind oft eifriger christliches Reden und Handeln nach zu äffen, so dass sie in vorbildliche Positionen gedrängt werden und es wagt niemand mehr sie zu hinterfragen. Dies wiederum verpflichtet sie geradezu zur Dankbarkeit für die Möglichkeit einer christlichen Mitgliedschaft.
    Ohne sie wären sie praktisch nichts – siehe oben.
    Man darf sich von den unbestreitbar, anfänglichen Erfolgen einer Möglichkeit der Mitgliedschaft – wie besonderer Zusammenhalt, Wachstum, Verbindlichkeit, wirtschaftliche Sicherheit, organisatorische Fähigkeiten für Großprojekte – nicht täuschen lassen!
    Irgendwann – gerade wegen und oft nur wegen der Mitgliedschaft – schlagen sie sich die Köpfe ein. Siehe 2000 Jahre Kirchengeschichte!
    Auf Dauer lässt sich ein Ansehen der Person – eindeutiges Mitglied oder Nichtmitglied – nicht vermeiden. Schiphra und Pua wussten, dass es klüger ist Gott zu fürchten?

    Es steht geschrieben in Eph.1,12-13 dass das Kennzeichen, das Unterpfand der Erlösung eines Christen der Heilige Geist ist.
    Wer damit versiegelt ist benötigt keine zusätzlichen Papiere, Taufscheine, Eintragungen im Gemeindeadressenregister oder Spendenbescheinigungen für den Zehnten. Und wer nicht vom Geist geboren wurde, dem helfen diese Papiere auch nichts, im Gegenteil sie blenden ihn nur.
    Mir persönlich steht es nicht zu irgend jemand zu be- oder verurteilen ob er in irgend einem Verein eingetragen ist. Dies soll jeder persönlich vor dem HERRN verantworten!
    Aber eine Gemeindemitgliedschaft als christlichen Vorteil zu präsentieren, ohne die massiven Verfehlungen zu erwähnen, sehe ich historisch betrachtet als verführerisch gefährlich an.
    Da ich keine Empfehlungen für eine Gemeindemitgliedschaft von Jesus Christus oder den Aposteln kenne und mir längerfristig nur negative Beispiele aus der Kirchengeschichte bekannt sind, sehe ich keinen Grund der Hoffnung, dass Mitgliedschaft nicht im Feuer verbrennt?

  3. Lieber Elmar,
    danke dir, dass du dir die Mühe gemacht hast, die Gefahren aufzuzeigen!

    Jedoch scheint mir , dass du aufgrund des Missbrauchs einer Sache, die an sich gute Sache selbst verwirfst. Fährst du kein Auto, weil es so viele Autounfälle gibt? Benutzt du kein Messer, weil so viele Menschen damit morden und andere verletzten?

    Du hast Recht damit, dass man die Gemeindemitgliedschaft für X Dinge missbrauchen kann. Aber dennoch gibt es doch eine biblische gedachte Gemeindemitgliedschaft, oder nicht?

    Die Gläubigen waren klar bestimmt. Für die ersten christlichen Gemeinden war klar, wer dazugehört und wer nicht… Sonst hätte auch niemand aufgenommen oder ausgeschlossen werden können…

  4. Lieber Viktor,

    kennst du ein Beispiel in der Kirchengeschichte bei dem man die Möglichkeit der Mitgliedschaft als Erfolgsgeschichte bewerten könnte?

    Wer wirklich Mitglied der Gemeinde Gottes ist, kann man in der Schrift und auch sehr treffend im Glaubensbekenntnis von EVABG unter Punkt 6 nachlesen.

    Mir reicht diese Bestimmung und ich werde mich hüten etwas dazu zu dichten.

    Auch wenn es höchstwahrscheinlich „gut“ gemeint ist die Möglichkeit einer Mitgliedschaft an zu bieten sollte man bedenken auch Eva hat es mit der Weiterreichung einer Frucht wahrscheinlich sehr gut gemeint. Diese Frucht war sehr schön, sie macht klug, es wird ihr nachgesagt, dass sie sogar den Menschen Gott gleich macht?

    Menschlich kann ich dieses Verlangen nach eindeutigen Strukturen, berechenbarer Verbindlichkeit, messbarem Wachstum, wirtschaftlicher Kalkulationssicherheit u.ä. sehr gut nach vollziehen!
    Man könnte dann sogar weitestgehend auf das strittige Thema „Geist Gottes“ verzichten oder zumindest nur am Rande rudimentär behandeln?

    In der Bibel findet man ebenfalls Mitgliedschaften: Pharisäer, Sadduzäer, Proselyten, etc.
    und man findet Mitglieder: Juden, Römer, Griechen und Christen.
    Siehst du den Unterschied?
    Ein kurzsichtig, vorteilhaftes Beispiel einer Mitgliedschaft eines Christen kenne ich.
    Mit Hilfe von Apg.23,6 könnte man sagen: „Die Mitgliedschaft zu den Pharisäern hat Paulus das Leben gerettet“. War diese Mitgliedschaft wirklich ein Vorteil?

    Sprich mit deinen Brüdern. Wollt ihr auch eines Tages euer Glaubensbekenntnis erweitern gleich wie die röm. kath. Kirche?
    Es wird notwendig werden, wenn der Geist Gottes nicht mehr in eurer Mitte ist!

    Jedenfalls die ersten christlichen Gemeinden benötigten keinen Mitgliedsausweis, denn es war der HERR der täglich dazu tat – Apg.2,47 – und es war der Geist Gottes der hinweg nahm. Apg.5,1-11
    Läßt man den Geist Gottes wirken – so kommt große Furcht Gottes – und Erkenntnis und wenn nicht…..

  5. Hallo!

    Gute Rezension. Dankeschön!

    Es gibt ja auf der einen Seite durchaus nachvollziehbare Kritik an institutioneller Mitgliedschaft, beispielsweise aufgrund der besonderen historischen Erfahrung in Deutschland (Mißtrauen gegenüber Institutionen – 3. Reich).

    Dazu kommt weiterhin das grundsätzliche Selbstverständnis der „Freikirchen”, in Abgrenzung zu den ehemaligen Staats- bzw. Volkskirche] dazu.

    Darüber hinaus jedoch – und nach meiner Meinung ausschlaggebend – ist es die gesellschaftliche Entwicklung der Individualisierung und Unverbindlichkeit, die zu einer oft eher negativen Beurteilung von Mitgliedschaft führen.

    Verstärkt wird diese Haltung zudem oft durch schlechte persönliche Erfahrungen mit der Institution Kirche/Gemeinde und den vorgefundenen Autoritäten, Meinungen etc.

    Darüber hinaus existiert gar die Überzeugung, daß formale Kriterien grundsätzlich „notwendige Übel” darstellen würden, welche man soweit es geht nicht zu beachten hat.

    Mitgliedschaft in der Lokalgemeinde ist letztlich Ausdruck von Ordnung in der Gemeinde. So wie Gott ein Gott der Ordnung ist, wirkt sich dies auch in seiner Gemeinde aus. In den entstehenden ersten Gemeinden wird erkennbar an jedem Ort Aufsicht, Verwaltung und Ordnung installiert. Hier entstehen erste Liturgien im Gottesdienst, werden Dienste, Ämter offenbar.

    Ebenso deutlich wie das Dienen der Ältestenschaft, ist die Ein- und Unterordnung der Gläubigen gegenüber der Ältestenschaft erkennbar, ermöglicht erst Mitgliedschaft das nachhaltige Reden in das Leben des einzelnen Gemeindemitgliedes hinein, schafft Struktur und Orientierung.

    Offensichtlich stehen Mitgliedschaft und Verbindlichkeit jedoch dem „Zeitgeist” entgegen. Ob bei „Ehe auf Probe” oder anderen Themen erkennbar, ist die Bereitschaft, sich nachhaltig festzulegen oder in eine Ordnung einzupassen, merklich schwach ausgeprägt.

    Dabei ist Mitgliedschaft sehr wohl auch Kennzeichen von Mündigkeit und Reife in Christus [weg von der „Milch“ und den Anfängen des Glaubens], macht den einzelnen Gläubigen zum Gegenüber der Gemeindeleitung und eröffnet die Möglichkeit zur Mitwirkung bei beispielsweise Amtshandlungen wie der Bestätigung von Pastor/Gemeindeleiter, Ältesten.

    Nicht zuletzt drückt Mitgliedschaft Identifizierung mit der Gemeinde aus.

  6. Lieber Andreas,

    es fällt mir sehr schwer deine Meinung nach zu vollziehen.
    Statistisch gesehen ist jeder Bundesbürger Mitglied von 6 Vereinen und geheiratet wird heute nicht weniger wie früher – sehr viele 2-4 mal.
    Kann man dies als Mitgliedschaftsverdrossenheit bezeichnen?

    noch schwerer fällt es mir deinen geistlichen Argumenten zu folgen:
    wie liest du 1.Kor. 1 – 5?
    Vers 1 – Werden dort Mitgliedschaften zu Paulus, Apollo als Mündigkeit oder als Unmündigkeit angeprangert?
    Vers 2 – Werden hier die Mitgliedschaftsvorstellungen als Milch oder feste Speise benannt?
    Vers 3 – Werden diese Mitgliedschaftsstreitereien als menschlich oder göttlich gebrandmarkt?
    Vers 4 – Werden dort Mitgliedschaften als fleischlich oder geistlich bezeichnet?
    Vers 5 – Sind Mitgliedsnamen etwas Amtliches oder etwas Dienendes?

    Gott sei Dank, gibt es nicht nur die 2 Möglichkeiten – für oder gegen den Zeitgeist zu sein sondern noch eine dritte Möglichkeit – sich vom Geist Gottes – von der Schrift leiten zu lassen.
    Allerdings muss ich dir recht geben, alle Religionen haben dasselbe Problem – ohne die Führung vom Geist Gottes müssen Ersatzführer eingesetzt werden. Einerseits schreibt die Schrift allesamt als untergeordnete, dienende Glieder vor (1. Petr.5,5, Gal.6,2-3 ) andererseits – wie soll das funktionieren ohne Haupt, ohne Meister?
    Somit bleibt nichts anderes übrig als irgendwelchen Menschen unverdiente Macht zu übermitteln – sie zu verbeamten.
    Und wer soll die Macht haben – Macht zu verteilen, Ämter zu vergeben? Dies sollten natürlich nur solche sein, die auch irgendwie privilegiert wurden. Bevor sich nun die Katze in den Schwanz beißt muss zwangsläufig ein „kategorischer Imperativ Pass“ erstellt werden.
    Da dies natürlich zu weltlich, zu philosophisch aussieht, wird die Quadratur des Kreises mit dem „dienenden Beamten“ kreiert.
    Eine Mischung die proforma dient indem sie die Macht, das verliehene Amt ausüben soll?
    Ein Mensch – so fromm er sein mag – bekommt er ein Amt verliehen, so ist er verpflichtet dieses Amt nach bestem Wissen und Gewissen aus zu üben – er darf gar nicht mehr Diener sein – sonst vernachlässigt er sein Amt. Wie lange hält ein Mensch dieses Pendeln aus? Früher oder später, wenn er nicht Schizophren werden will muss er sich auf die Eine oder andere Seite schlagen?

    Wer kann schon besser führen als Jesus Christus, als sein Geist den er gesandt hat? Ohne IHN herrscht das Chaos, da müssen Ersatzleiter einspringen. Selbstverständlich können diese Menschen, so sehr sie sich auch anstrengen den Geist Gottes nicht ersetzen.
    Sie sind Menschen, die Fehler machen, dies ist aber nicht das Problem – das Hauptproblem sehe ich, dass den Menschen vorgegaukelt wird, dass man auch ohne Geist Gottes christlich, gottgefällig leben kann – siehe Papst Franziskus.

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