Unvollkommene Parteien wählen

Darf man unvollkommene Parteien wählen?

Ich habe interessante Denkanstöße im Netz gefunden und möchte sie gerne weitergeben:

  1. Staaten, die mit Bibel und Evangelium regieren wollen, wird es nie geben! Und wenn so eine Chimäre [Löwe, Ziege und Schlange in einem; Ungeheuer der griechischen Sage] als Regierung oder als demokratisches Parteiensystem oder als Monarchie dennoch irgendwie „entstehen“ sollte, ist das Gebilde dann nie (!) christlich, sd. eher anti-christlich vom Wesen her.
  2. Strikt an der Bibel orientierte politische Parteien kann es daher schlechterdings nicht geben, nur politische Parteien, die mit einer bestimmten Schnittmenge das christlich-biblische Ethos des menschlichen Zusammenlebens teilen. Mehr geht nicht! Daher muss mir als Christ in einer Demokratie nicht alles an einer politischen Partei oder Regierung gefallen, bevor ich mein Wahlrecht ausübe. Eine Partei und Regierungen sind nie Gemeinde Christi, sondern nur je eine irdische Entität, um den Rahmen zu bilden, als Christ in einem Staat und Kulturkreis gut leben zu können. 
  3. Weil 1. und 2. wahr und stimmig sind, werden politische Parteien und staatliche Regierungen keine ethischen und sozialen Überzeugungen teilen können, die exklusiv und nur die Gemeinde Jesu auszeichnen. Wäre das möglich, müssten dazu säkulare politische Strukturen und Systeme aus Menschen bestehen, die mit dem Heiligen Geist versiegelt wurden, die gläubig wären, und die aus Wiedergeborenen bestehen. Das aber gibt es nicht, es sei denn als Blendwerk des Teufels. Man kann nämlich keine erlösten Strukturen mit unerlösten Menschen aufbauen. Parteien und Regierungen können daher nur ganz grob abbilden, was Gottes Ethos verlangt. Daher darf man diesen Ethos exklusiv unter Wiedergeborenen auch von keiner einzigen Partei einer Demokratie oder Republik erwarten, da sie diese Richtlinien Gottes nicht teilen können. Sie könnten es schlicht und einfach NICHT!
  4. Daher sind alle Parteien und Regierungen nie gemeinde-ähnlich! Das wäre unmöglich (… oder teuflisch)! Also brauchen wir als Christen diese hohen Kriterien auch von keiner Partei zu erwarten, dass sie so agieren und handeln müsste, bevor ich sie demokratisch wähle. Das wäre Utopie! Die real existierenden politischen Parteien sind und bleiben immer weltlich. Sie können nichts anderes sein. 
  5. Manche von ihnen teilen mehr oder weniger christliche Werte, das ja, die in Politik und Gesetzgebung umgesetzt werden, andere tun das aber nicht, weil sie einer anderen Weltanschauung folgen. So what? Christen leben in allen Gesellschaften und politischen Systemen so, dass dem Evangelium möglichst kein selbstverschuldeter Schaden entsteht und die Gemeinden unbehelligt ihr Christsein bekennen und ausleben können.
  6. Wer nun sein demokratisch verbrieftes Wahlrecht als Christ nutzt (was jeder tun sollte – die Obrigkeit nach Röm. 13 gestattet uns als Staatsbürger das auszuüben!), der wägt die Parteiprogramme ab und wählt dasjenige irdische System, das die besten Möglichkeiten bietet ,, als Christengemeinde ein friedvolles, freies und unbedrängtes Leben zu gestalten, gegebenenfalls mit allen dazugehörigen kulturellen Vorzügen (Gesetzgebung, Bildung, Wohlstand, Schutz usw.). Alle Parteien sind inhaltlich suboptimal ausgerichtet. Also wählt man die Partei, die die Anliegen des christlichen Glaubens fördert, zumindest sie nicht behindert, relativiert oder zerstört. Wir wählen als Christen aber immer nur Vertreter eines irdischen, unvollkommenen Systems, bilden dabei weder das „Reich Gottes“, noch die Gemeinde Jesu Christi!!! Diese Einsicht befreit und macht gelassen. Gott sitzt im Regimente und führet alles wohl!
  7. Aus diesen genannten Gründen können Politiker nicht wie Christen leben, versiegelt mit dem heiligen Geist, zu einem geheiligten Leben befähigt, es sei denn sie wären Christen. Die meisten sind es nicht. Wieso also müssen diese Parteienvertreter und Regierenden leben, als wären sie Christen? Sie können das ja gar nicht tun, in keiner Partei. Sonst wäre das Christsein nur eine antrainierbare moralische Religion. Wieso erwarten wir von säkularen, unerlösten Menschen, dass sie leben wie es dem christlichen Ethos entspricht? Absurde Erwartungen, die keiner erfüllen kann. Wenn Politiker mithilfe des Primus Usus Legis [Vorbildfunktion von Gottes Gesetz] einigermaßen nach den Geboten Gottes zu leben bemüht sind, ist das gut. Erwarten darf man das aber nicht. Also, in allen Parteien werden unerlöste Menschen zur Wahl stehen, die die Gebote Gottes nicht befolgen. Etwas anderes darf man nicht erwarten. Wer das anders sieht, kennt das Wesen des Christseins nicht, das nicht durch moralische Aktionen besteht, sondern ein neuer Mensch ist (Gal. 2,18-20).
    Viel Freiheit und Gelassenheit beim Wählen an der kommenden Bundestagswahl! Christen haben die volle Freiheit dazu, mit Vernunft und geeichtem Gewissen, wählen zu gehen.  Berthold Schwarz

 

Leicht gekürzte Version. Original zu finden auf https://www.facebook.com/berthold.schwarz.5/posts/1461246937264008

Die Markierungen und Erklärungen in eckigen Klammern sind von mir.

Und hier noch ein beachtenswerter Text der teilweise in die selbe Kerbe schlägt, aber auch in andere Richtungen geht

Ich, für meinen Teil, habe in den letzten Monaten und Jahren des Wahlkampfes viel gelernt. Sowohl über den politischen Prozess, als auch über meine Position in ihm, als Bürger mit einer Stimme.

Das geht vermutlich vielen so. Zumindest habe ich auch gemerkt, wie man als wählender Bürger mit einer Meinung plötzlich auch der Meinung von 80 Millionen anderen wählenden Bürgern ausgesetzt ist und oh boy, sind das laute Meinungen, die nicht selten aggressiv, oder annähernd flexibel vorgetragen werden.

Jemand nennt eine Partei, die nicht der persönliche Favorit ist? Man muss unbedingt sagen, warum diese Partei literally Hitler ist. Eine Partei, die man selbst nicht wählen möchte macht etwas? Man muss unbedingt erwähnen, warum das das schlimmste ist, was jemals eine Partei gemacht hat.

Gefällt mir nicht. Die gesamte Diskussion ist toxisch, obwohl sie es nicht sein sollte. (…)

Was, meiner Meinung nach, im Diskurs der letzten Monate verloren ging ist das Bewusstsein, dass das hier nicht die Bundesliga ist, bei der am Ende irgendjemand einen Pokal (Was weiß ich von Fußball? Bekommen die Medaillen?) mit nach Hause nimmt und der eindeutige Gewinner ist. Außerdem gibt es kein offizielles Ende. Demokratie ist kein Pferderennen (gute Idee, Marcel, mach eine weitere Sportmetapher auf, von der du keine Ahnung hast), bei dem man auf ein Pferd setzt und am Ende sagen kann, dass man Recht hatte. Demokratie ist iteratives Design, ein Gestaltungsprozess, der ein Land formt. Aktuelle Entscheidungen prägen für einen definierten Zeitraum und können dann entsprechend angepasst werden.

Was bedeutet das für mich, als eine dieser 80 Millionen Personen? Verschiedene Dinge:

  • Ich kann mich nicht für ein Team entscheiden, von dem ich weiß, dass es mich 100 % begeistert. Zumindest nicht zum aktuellen Zeitpunkt. Gerne wäre ich jemand, dersagen kann “Das hier ist gut, alles andere ist absolut schlecht”, aber das bin ich nicht. Wäre aber ein leichteres Leben. Darum stehe ich auch hinter keiner Partei absolut und ohne Bedenken. Ich betrachte Parteien als Möglichkeit temporär eine Idee zu abonnieren.
  • Das geht vermutlich so einigen so, darum sagen Leute, dass es ihnen schwer fällt eine Entscheidung zu treffen. Kann ich nachvollziehen.
  • Ich habe für mich entschieden, dass Wahlprogramme beim Wort zu nehmen nichts bringt. Auch auf Einzelaussagen von Parteispitzenpersonal muss man nichts geben. Ich wähle grobe Strömungen. Jede Partei steht, fundamental, für eine grobe Strömung. Da kann man auch nicht sagen, dass jede Partei gleich ist, an der Stelle wäre es noch blödsinniger, als es schon ist, wenn Leute das von denParteiprogrammen behaupten.
  • Meine Wahl ist nicht final. Weil ich dieses Jahr Partei X wähle, bedeutet das nicht, dass ich will, dass diese Partei 100 % Macht hat. Das System ist, wie gesagt, eine Kooperation und ein Diskurs, kein Wettbewerb, bei dem jemand gewinnt. Man wählt die Argumente in einem Gespräch, nicht das Ergebnis des Gesprächs.
  • Ich mache meine Wahl abhängig von den aktuellen Zuständen und den Dingen, die mich beschäftigen und bin absolut bereit meine Meinung in den nächsten vier Jahren stark zu ändern und dann vollkommen andere Parteien zu wählen.

Quelle: Was ich in der Bundestagswahl 2017 wählen werde

Ich hoffe, das regt zum Nachdenken an 😉

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