Wie sich verurteilende Gemeinden entwickeln

Wie sich verurteilende Gemeinden entwickeln

Ich kenne viele Gemeinden, die sich nur durch Abgrenzung identifizieren. Doch wer nur durch die Verurteilung anderer “lebt”, entwickelt einige ungesunde Eigenschaften:

1. Sektenähnliches Verhalten wird begünstigt: Bestimmte Auslegungen werden den Menschen eingehämmert und das Sich-für-schuldig-halten gefördert. Die Menschen bekommen eine Gehirnwäsche, sodass sie denken, wenn sie sich in irgendeinem Punkt von der Überlieferung des Leiters unterscheiden, sie sich von der einzig wahren Gemeinschaft distanzieren und ihr Heil vor Gott gefährden. Unter diesen Umständen wird die Gemeinde ein ganz sonderbarer Verein. Um wirklich dazu zu gehören, muss man alle Auslegungen genauestens übernehmen, so wie der kompromisslose Leiter sie fordert.

2. Ein Märtyrer-Komplex wird gefördert: Wenn der Verurteilungsdienst bloß gestellt wird, zwingt er die Menschen mit „geistlichen“ Forderungen zur Gleichförmigkeit und zieht sich in eine Art Märtyrer-Komplex zurück, in der sie die Letzten sind, die für die Wahrheit stehen oder die letzten „sieben tausend, die ihre Knie nicht vor Baal beugen“.

3. Das Gesetz wird zur Eigenwerbung und des Stolzes: So wie der Leiter die Forderungen für die Verurteilung aller anderen gebraucht, entdeckt der Dazugehörende Zuversicht in seinen Überzeugungen und seinem Halten dieser Forderung, die angesprochen wird. Das führt zu Selbstgerechtigkeit.

4. Gemeindespaltungen sind weit verbreitet: Wenn die schwere Hand des Gesetzes missbraucht wird, um seinen eigenen Standpunkt zu rechtfertigen und alle anderen zu verurteilen, dann ruft das die Werke des Fleisches hervor. Der Apostel macht in Römer 7,8 deutlich, dass das Gesetz, wenn es zur Selbstgerechtigkeit dient, in Wirklichkeit alle möglichen sündigen Begierden weckt. Sie führen unweigerlich zu Spaltungen, weil gegenseitige Liebe und Einheit nur bei denen vorhanden ist, die tief von der Liebe Christi im Evangelium bewegt sind.

5. Die Freude an Christus fehlt: Wahre Freude ist eine Frucht derer, die durch die Wahrheit des Evangeliums frei gemacht wurden. Der Dienst der Verurteilung führt im Gegensatz dazu, zu jede Menge Unzufriedenheit.

6. Viele Gemeindebesucher bleiben unverändert: Wenn der Dienst der Gerechtigkeit fehlt, lernen die Menschen nicht die Botschaft kennen, die ihnen wahres Leben geben kann. Man schafft eine geschlossene Gesellschaft von Vielen, die nicht wiedergeboren sind (Johannes 3).

[Freie Übersetzung von „Grumpy Old Men & The Reformed Tradition„]

Ein Gedanke zu „Wie sich verurteilende Gemeinden entwickeln“

  1. Bin dankbar für die Aufdeckung eines Grundproblemes. Kürzlich thematisiert das Schirrmacher in IDEA auch mit den Begriffen Sonderlehren und ausgewählte Führer und hatte dazu das „Rezept“ : Gesunde Lehre VERBREITEN. (Was organisiert werden müßte. ) Erstmal hilft die Diagnose.

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