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Mehr eingebildetes als echtes Reden Gottes

Redet Gott heute noch

Dem, was Michael Kotsch neulich in einer Idea Spektrum geschrieben hat, kann ich nur zustimmen:1

„Kaum ein Christ wird behaupten, dass Gott sich heute nicht mehr Menschen mitteilt. Die Frage ist eher, wie und in welchem Maße er das tut. Offensichtlich gibt es gegenwärtig zahlreiche Personen, die meinen, direkte Botschaften aus dem Universum zu bekommen oder mit Jesus persönlich konferieren zu können.

Seltsamerweise irritiert es kaum jemanden, welche skurrilen und widersprüchlichen Äußerungen da von demselben Sohn Gottes kommen sollen. Erschreckend ist, wie häufig Machtinteressen und Geltungssucht hinter vorgeblichen Mitteilungen Gottes versteckt werden. In einer maßlosen Selbstüberschätzung meinen heute viele Christen, jede innere oder äußere Stimme stamme von Gott. Vielfach hat man verlernt, seine eigenen Hoffnungen, Wünsche, Ängste, Sympathien und Assoziationen von Gottes Mitteilungen zu unterscheiden. Damit wird nicht nur viel Enttäuschung produziert. Es werden auch die eindeutigen Mitteilungen Gottes in der Bibel entwertet, weil ihre Glaubwürdigkeit auf dieselbe Stufe gestellt wird wie die Spekulationen offenbarungshungriger Christen. Der Wunsch, einen heißen Draht direkt zu Gott zu haben, ist durchaus nachvollziehbar. Doch sollte es zu denken geben, wenn eine solche Informationsdichte selbst in der Bibel nicht vorkommt. Die meisten der großen Propheten und Apostel empfingen relativ selten direkte Mitteilungen Gottes. Oft lagen Jahre zwischen den verschiedenen Prophetien. Und zumeist ging es hier nicht um private Entscheidungshilfen, sondern um Wegweisung für das ganze Volk Israel oder die gesamte Gemeinde. Gott hat sich ein für alle Mal klar und deutlich ausgedrückt, für jeden Menschen gleichermaßen, in der Bibel, seinem Wort. Da besteht wenig Notwendigkeit, sich noch einmal privat jedem Einzelnen zu offenbaren.“

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Fußnoten:
  1. ideaSpektrum Nr. 36/2013 S.15 []
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