Vom König, der kam, um zu bleiben – Geschichte zu Weihnachten

Vom König der kam um zu bleiben

Seit er denken konnte war sie da, die Sehnsucht nach Frieden, Sicherheit und Geborgenheit. Als sein Vater eines Tages nicht mehr nach Hause kam, brannte dieses Gefühl wie ein Feuer in seiner Kinder-Seele. Wie verloren er sich gefühlt hatte, wie verlassen und orientierungslos.

In dieser Zeit des tiefsten Schmerzes, hörte er eines Mittags fast zufällig eine Unterhaltung, als er unbeachtet von den eilig Vorüberlaufenden, im Schatten einer Hauswand unter einem Fenster auf dem Boden saß. Er konnte der Unterhaltung längst nicht ganz folgen, aber eines verstand er: Gott sollte als Mensch auf die Erde kommen. So hatte es wohl vor langer Zeit ein Prophet Daniel vorausgesagt.

Lebendige Hoffnung

Der Gedanke, dass Gott auf die Erde kommen würde, er ihm vielleicht begegnen könnte, hatte ihn seit jenem Tag nie wieder losgelassen. Vielleicht würde das Erscheinen dieses Gottes den schrecklichen Kriegen, blutigen Aufständen und der nicht enden wollenden Not endlich ein Ende bereiten. Und vielleicht wäre dann auch sein eigenes Leid zu Ende und die ihn langsam auffressende Sehnsucht nach Frieden endlich gestillt.

Die Hoffnung war nicht unbegründet. Denn dieser Messias, so hörte er über die Jahre immer wieder, sollte Frieden bringen, Shalom Frieden. Obwohl er kein Israelit war, wusste auch er, dass Shalom mehr bedeutete als nur äußerer Friede. Dieser Friede umfasste auch den inneren Frieden, Ruhe, Sicherheit, Freude, Wohlergehen und Gesundheit.

Die verheißungsvollen Worte des Propheten Daniels hatten vor 500 Jahren eine Sehnsucht entfacht, die von Generation zu Generation weitergegeben, auch sein Herz erfasst hatte. Vielleicht hatte er sich deshalb, wenn auch unbewusst, dafür entschieden, sein Leben dem Studium der Sterne zu widmen. Es sollte nämlich ein Stern sein, der die Ankunft des Königs der Juden ankündigen würde. 

Vieles sprach dafür, dass die Zeit bald kommen musste. Der Prophet Daniel hatte ziemlich genaue Zeitangaben gemacht. Unter Fachkollegen, Geistlichen, aber auch an Königshöfen herrschte deshalb eine seltsame Unruhe.

Licht eines guten Sterns

Es war in einer sternklaren Winternacht als er einen Stern entdeckte, den er nie zuvor bemerkt hatte. Eilig prüfte er, wie schon so oft, die Zeitangaben des Propheten Daniels und zog auch die Schriften des Propheten Jesajas zu Rate: „Deshalb wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben. Seht, die unberührte junge Frau wird schwanger werden und einen Sohn zur Welt bringen, den sie Immanuel, Gott mit uns, nennt.“

Könnte dies der Stern sein, von dem der Prophet Daniel vor vielen hundert Jahren gesprochen hatte und der dieses ungewöhnliche Ereignis ankündigte? Sein Herz überschlug sich fast vor Freude. Seine sonst so wissenschaftliche Sachlichkeit war dahin. Ein kaum zu beschreibendes Gefühl des Glücks überkam ihn. Sollte das Warten nun endlich ein Ende haben? Sollte das Chaos der Welt und auch sein eigenes inneres Chaos endlich ein Ende haben? Nachdem andere Sterndeuter und Wissenschaftler seine Vermutung bestätigten, stand sein Entschluss fest: er musste sich auf den Weg machen und diesen Messias, den König der Juden, finden.

Den Blick immer wieder auf den Stern gerichtet, als hätte er Angst ihn zu verlieren, folgten er und eine Handvoll andere Sterndeuter dem Stern so schnell sie konnten. Er war froh, dass seine Kollegen, die fast schon so etwas wie Freunde waren, mit ihm unterwegs waren. Die Gespräche über die Sterne lenkten ihn von seinen eigenen Gedanken ab. Er liebte die Sterne. Auch wenn Wolken sie manchmal verdeckten, waren sie immer da. Verlässliche Lichter im Dunkel des Firmaments.

Es war diese Verlässlichkeit, die Beständigkeit, die ihm so wohltat. Sein ganzes Leben war von Unruhe und Unbeständigkeit geprägt. Nach all den Jahren spürte er immer noch die Verlorenheit durch den Tod seines Vaters, die Orientierungslosigkeit als sie ihr Elternhaus plötzlich verlassen mussten, weil Aufständische ihr Unwesen trieben und den schmerzvollen Verlust von Freunden und Bekannten, die durch die Dürre der Felder gezwungen waren, woanders ihr Glück zu suchen. Die Sehnsucht nach Ruhe und Frieden, nach Sicherheit und Wohlergehen, nach etwas Bleibendem kannte er schon so lange. Viel zu lange.

Endlich nun war die Quelle, die diese Sehnsucht stillen konnte in greifbarer Nähe. Denn die Worte des Propheten Daniels begannen sich zu erfüllen: Der Stern, der sie jetzt durch die karge Berglandschaft hin nach Jerusalem führte, war sichtbarer Beweis. Sollte dann nicht auch wahr sein, was über den Messias vorausgesagt war? Sollte dieser dann nicht auch den Shalom-Frieden bringen, nach dem er sich so sehr sehnte? Die Hoffnung darauf beflügelte ihn und nahm ein Stück der Beschwerlichkeit des wochenlangen Fußmarsches.

Herzen ohne Heimat

Endlich standen sie vor den Toren Jerusalems. Wie seltsam, die Menschen in der Stadt gingen wie gewöhnlich ihrer Arbeit nach. Das laute Geschrei auf den Straßen war nicht anders als sonst, das Geschwätz der Leute wie gewöhnlich. Wussten sie denn nicht, dass der Messias, ihr König, geboren war? Tagelang schon hatten sie in Jerusalem vergeblich nach dem König der Juden gefragt, als sie abends ein eilender Bote des Königs Herodes unverzüglich in den Palast kommandierte.

Der König schien überraschend beunruhigt. Erst nachdem sie ihm alles berichtet hatten, was sie über den Stern und seine Bedeutung wussten, schickte er sie nach Bethlehem. Dort, so hatten es seine führenden Geistlichen und Gelehrten bestätigt, sei das Kind geboren worden.

Bei jedem Schritt, der ihn und seine Berufskollegen näher nach Bethlehem brachte, fühlte er sein Herz höherschlagen. Eine Jahrhunderte alte Vorhersage erfüllte sich. Und er, ein unbekannter Sterndeuter aus Persien hatte den Stern entdeckt. Warum gerade er? Warum durfte er Teil der Geschichte werden?

Ziel aller Sehnsucht

Der Stern bewegte sich nicht mehr. Endlich waren sie angekommen. Das Haus in Bethlehem war schnell gefunden. Die Einheimischen wussten, wo die fremde Familie aus Nazareth wohnte. Doch zum ersten Mal zögerte er. Sternedeutern war es nicht erlaubt in die Gegenwart Gottes zu treten. Was würde mit ihm geschehen? Immer wieder hatte er die Schriften studiert. Besonders der Gedanke, dass Gott selbst auf dieser Erde erscheinen würde, berührte ihn in besonderer Weise. Er musste diesem Gott begegnen. Es gab kein zurück. Seine Sehnsucht war größer als die Angst.

Nichts deutete auf einen König hin. Das Haus, schlicht und einfach, die Eltern gewöhnlich. Und doch war ihm, als er in das Licht des kleinen Raums trat, in dem die Mutter ihr Kind in den Armen hielt, als sei er in eine andere Welt eingetaucht. Ein wunderbarer Friede erfüllte ihn. Dieser Friede durchdrang seinen Körper, seine Seele, seine Gedanken. Alles wurde ruhig in ihm. Seine schmerzvolle Sehnsucht war verschwunden. Er war angekommen. Er wagte es kaum sich zu bewegen, weil er diesen wunderbaren Moment nicht verlieren wollte. Als sein Blick auf das Kind fiel, wusste er: in diesem Kind begegnet er Shalom. Es war tatsächlich der Messias, von dem Daniel sprach. Von Emotionen überwältigt, kniete er nieder. Tief in seinem Innern wusste er: Was er hier gefunden hatte, würde er niemals wieder verlieren müssen. Denn dieser König war gekommen, um zu bleiben.

Mit freundlicher Genehmigung von ©Hanna Fett, der Autorin dieses Textes.

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