Wahre Gottesfurcht

Nachdem ich hier geschrieben habe, wie falsche Gottesfurcht aussieht, nun zu dem, was ich unter richtiger Gottesfurcht verstehe.


1. Gottesfurcht ist nicht passé

Man kann nicht sagen, das Thema Gottesfurcht habe sich mit Jesus erledigt, oder wir bräuchten keine Gottesfurcht mehr zu haben, weil die Liebe ja die Furcht verjagt (1Joh 4,17-18). Leider haben viele Christen aufgrund der heutigen Verkündigung keine bzw. sehr wenig Gottesfurcht. Dabei ist richtig verstandene Gottesfurcht doch ein Wesensmerkmal einer wahren Gottesbeziehung.

Jesus Christus hat keinen andern Gott verkündet als den Gott des Alten Testaments, den Gott Israels, den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs; den Gott des Moses und aller Propheten. Gott ist derselbe – und die Gottesbeziehung sehr ähnlich. Ebenso wie im AT ist die Gottesbeziehung unter anderem von Gottesfurcht geprägt! Die neutestamentlichen Stellen habe ich hier schon zusammengestellt.

2. Gott ist immer noch GOTT

Es kann gar nicht anders sein, als dass wir auch als neutestamentliche Kinder Gottes in einer gewissen Art und Weise Gottesfurcht haben. Gott ist Gott geblieben. Er ist der ganz Andere. Er ist unbeschreiblich schön und erhaben, mächtig und einfallsreich, untadelig und treu. Er ist der Schöpfer und Erhalter der Welt. Er ist heilig und souverän. Er ist Gott – unbeschreiblich wundervoll. Da kann man nur staunen und demütig werden – das ist wahre Gottesfurcht.

Der Bergsteiger Heinrich Harrer, z.B., einer der Erstbesteiger der Eiger-Nordwand, erzählt in seinem Buch „Die weiße Spinne“ von seinem Herzklopfen und dem Gefühl der Beklemmung, das ihn befiel, als er sich der hochragenden Wand näherte; wie ihm dieser riesige Berg das Gefühl der eigenen Winzigkeit und Nichtigkeit vermittelte. Von einem ähnlichen Gefühl berichtet der Musiker und Komponist Felix Mendelssohn-Bartholdy, als er zum ersten Mal die Partitur der Matthäus-Passion von Joh. Seb. Bach studierte. Ähnliches berichten die Physiker und Nobelpreisträger Albert Einstein, Max Planck und Werner Heisenberg, die angesichts der unvorstellbaren Dimensionen des Weltalls und des Atoms sich absolut winzig und unbedeutend vorkamen, aber gleichzeitig von Staunen und Bewunderung erfüllt waren. Diese Art von Furcht, die den Menschen nicht abschreckt, sondern fasziniert und still werden lässt, die nennen wir „Ehrfurcht“.

3. Gottesfurcht im Sinne von Ehrfurcht

Ja, wie hier in den Kommentaren gesagt wurde, ist Gottesfurcht durchaus keine so gute Übersetzung. Furcht assoziieren wir mit Angst – und die sollte nicht unsere Gottesbeziehung prägen (1Joh 4,17-18). Furcht ist ein unangenehmes Gefühl, das durch die Nähe von Schmerz, Gefahr oder anderen negativen Folgen verursacht wird. Vor Gott brauchen wir uns aber nicht mehr in diesem Sinne fürchten. In Jesus Christus kommt Gott uns mit geöffneten Armen entgegen! Er wird unser Vater – nicht unberechenbar und willkürlich, sondern liebend und treu!

Der Ausdruck „Gottesfurcht“ wird im griechischen NT mit „phobos theu“ = „Furcht Gottes“ wiedergegeben. Eine Grundbedeutung von phobos ist die Furcht die man hat, die Befürchtung, die Angst oder Schrecken vor jemanden. Doch daneben gibt es auch die Bedeutung „Ehrerbietung, die Ehrfurcht bzw. der Respekt gegenüber übergeordneten Personen oder Gewalten“. Deshalb übersetzt die NGÜ diesen Ausdruck z.B. in 2Kor 7,1 sehr gut mit „in Ehrfurcht vor Gott“.

Wahre Gottesfurcht bedeutet Ehrfurcht, Respekt, Erstaunen, Achtung und Bewunderung gegenüber Gott zu haben – weil er Gott ist!

4. Wer Gott fürchtet hält seine Gebote

Wenn wir Gott als Gott anerkennen, fragen wir nach seinem Willen für unser Leben. Weil er Gott ist, wollen wir als Gotteskinder seine Gebote halten:

Aus Pred 12:13: Fürchte Gott und halte seine Gebote;

5Mos 6:2: Wenn du den Herrn, deinen Gott, fürchtest, indem du auf alle seine Gesetze und Gebote achtest… (Einheitsübersetzung).

Gottesfürchtig zu sein, bedeutet also nach Gottes Willen leben zu wollen. Das beste Beispiel ist Jesus: Er hat durch sein Hören auf seinen Vater und den Gehorsam seine Ehrfurcht vor Gott erwiesen.

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